Geschichte eines Totalverweigerers

Vor einigen Tagen nahm Jens Rügenhagen Kontakt mit mir auf, um mich auf seine Totalverweigerung hinzuweisen. Wie es bei Totalverweigerern so üblich ist, ist er mit dem System der Wehrpflicht absolut unzufrieden.
Aus diesem Grund verweigerte er zunächst den Wehrdienst und dann auch den Zivildienst. Auf einer Website beschreibt er seine politische Einstellung und auch den Ablauf seiner Totalverweigerung inklusive rechtlicher Folgen.
Ich möchte jedem Interessierten empfehlen, sich etwas Zeit zu nehmen und die Seite zu lesen.

Stieß mir irgendwie Sauer

Stieß mir irgendwie Sauer auf. Da seine Beschreibung mich an meinen Prozess erinnerte. Allerdings hat es ihn aus meiner Sicht nicht so Hart getroffen wie mich. Allerdings scheint der Staat wieder neues Front Kanonen Opfer Material zu benötigen. Denn in letzter Zeit geht er wieder härter gegen Totalverweigerer vor (Sicherlich waren wir beide 21 etc... klar logisch aber bei uns beiden wurde Egoismus angeprangert.).

MfG Matze.

Das schriftliche Urteil

Hallo allerseits.

Heute habe ich das schriftliche Urteil erhalten, in dem der Strafrichter genau wie während der Hauptverhandung versucht, mir mein Gewissen abzusprechen. Die Tatsache, dass ich überhaupt etwas ausgesagt habe, scheint dabei sogar größtenteils strafverschärfend gewirkt zu haben.

Ich bin noch immer dabei, meine Website aufzubauen, aber Genaueres über das schriftliche Urteil habe ich jetzt online gestellt.

Grüße,
Jens

Die Urteilsbegründung wirkt

Die Urteilsbegründung wirkt wirklich sehr befremdlich. Entweder du hast dich bei der Verhandlung sehr missverständlich ausgedrückt (wovon ich eigentlich nicht ausgehe), oder der Richter hat dir überhaupt nicht zugehört.
Gewissensgründe werden eigentlich bei Totalverweigerern so gut wie immer anerkannt.
Das Urteil wird nun leider schon rechtskräftig sein. Wäre das allerdings nicht der Fall, dann wäre die Nicht-Anerkennung deiner Gewissensgründe durchaus Grund für eine Berufung.

Erneute Einberufung zum Zivildienst?

Hallo allerseits. Eine weitere Kuriosität erreichte mich heute im Rahmen eines Briefes des Bundesamtes für den Zivildienst. Der Brief trug den Titel "Fiktive Entlassung aus dem Zivildienst". Ich muss schon zugeben - von so etwas habe ich bislang noch nicht gehört.

Jedenfalls heißt es in diesem Brief, ich sei aus dem Zivildienst gemäß § 44 Abs. 2 ZDG entlassen, dass aber die Verpflichtung gemäß § 24 Abs 4 ZDG nachzudienen hiervon unberührt bleibe.

Kurz gesagt, einer erneuten Einberufung zum Zivildienst - oder genauer gesagt, zum Nachdienen nach besagtem Paragraphen - steht nichts mehr im Wege, und ich muss damit rechnen, erneut totalverweigern zu müssen, und damit auch erneut verurteilt zu werden.

Das ist bei mir nicht

Das ist bei mir nicht anderst. Ich wurde bei meiner Bundeswehr "Entlassung" - erneut T2 gemustert und müsste rein Theoretisch wieder nachdienen. Da musste selbst der Richter schmunzeln. Ein zweites mal kannst du aber nicht dafür bestraft werden.

Das zweite Mal...

Leider ist es nicht ganz so einfach, dass man kein zweites Mal bestraft werden könne. Werden im Ersturteil explizit keine Gewissensgründe anerkannt, also: solche vielmehr aberkannt, so ist (nach aller Rechtsprechung, auch wenn es gute Gegenargumente gibt) eine weitere Bestrafung möglich. Das Gericht muss sich natürlich beim zweiten Mal eine eigene Überzeugung bilden, wie es denn so mit dem Gewissen aussieht, aber kommt es zu dem gleichen Schluss, so kann es auch ein zweites Mal bestrafen. Dies ist übrigens erst vor rel. kurzer Zeit in einem bisher nicht dokumentierten Fall vorgekommen, und der Betroffene hat bereits ein drittes Strafverfahren am Halse.

Zur Beruhigung: Die Regel ist das nicht. Aber: Man sollte wissen, was da passieren kann, und in der einschlägigen Literatur, die es dazu gibt (Streitschrift von Christian Herz oder TKDV-Reader von TKDV-Ini FfM = mir), ist das auch alles beschrieben. Entsprechend sollte man sich entweder mit der juristischen Lage gut auskennen, um solche Entwicklungen zu verhindern, oder sich eines juristischen Beistands, möglichst lange bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, bedienen, sei dies ein Rechtsanwalt / eine Rechtsanwältin oder auf dem Gebiet juristisch Erfahrene "normale Menschen".

Liebe Grüße
Detlev Beutner

Mh. Ich kann nur wieder

Mh. Ich kann nur wieder geben was mir der Richter gesagt hat. Nicht mehr und nicht weniger.