Spende "meines" Wehrsolds

Gestern habe ich mir nun endlich mal die Zeit genommen und mich um das Geld gekümmert, das mir als "Wehrsold" für die Zeit überwiesen wurde, die ich in der Kyffhäuser Kaserne verbracht habe. Insgesamt waren es etwa 341€ (inklusive einem Mobilitätszuschlag von über 160€!). Ich hab das Geld folgendermaßen in Spenden aufgeteilt:
150€ gingen an die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär.
100€ gingen an die Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland.
100€ gingen an die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner.
Ich möchte besonders darauf aufmerksam machen, dass ich das nicht tue, um als Wohltäter dazustehen oder nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Mir war einfach von Anfang an klar, dass ich das Geld nicht behalten würde. Zuerst dachte ich daran, das Geld einfach an die Bundeswehr zurück zu überweisen. Dann ist mir aber klar geworden, dass dieses Geld wo anders sicherlich besser aufgehoben ist. Irgendwo, wo damit keine Waffen produziert werden oder Menschen zum Töten ausgebildet werden.
Der Grund dafür, dass ich das hier öffentlich schreibe ist, dass ich nicht möchte, dass Leute denken, ich hätte den mir überwiesenen Wehrsold für mich selbst behalten und damit praktisch Profit mit dem Arrest gemacht.

Totalverweigerung – ein Erlebnisbericht

Heute nehme ich mir nun endlich die Zeit und schreibe einen Bericht über meine Totalverweigerung. Ich werde dabei ganz vorne anfangen, also etwa zu dem Zeitpunkt, zu dem ich das erste mal „Kontakt“ mit der Bundeswehr hatte. Da es doch einiges an Zeit in Anspruch nimmt, werde ich den Bericht in drei Teile aufteilen. Diese drei Teile sind mittlerweile zusammengefasst und alle in diesem Artikel hier zu finden. (auf Weiterlesen klicken!).

SPD: Freiwillige Wehrpflicht, äh, wie bitte?

Einen sehr interessanten Artikel hab ich heute bei Spiegel Online gelesen und einige Leute unterhalten sich darüber schon sehr angeregt in der Kommentar-Sektion meines letzten Beitrags auf der Seite hier.
Es heißt also, dass die SPD sich nun intern darauf geeinigt hat, eine Art "freiwillige Wehrpflicht" zu befürworten. Zwar ist die Entwicklung an sich nicht schlecht und durchaus positiv zu bewerten, allerdings hab ich dennoch ein paar kritische Anmerkungen zu der ganzen Sache.

Post aus der Kaserne

Vorhin hab ich einen dicken Brief aus Bad Frankenhausen erhalten. Darin waren 6 Postkarten und 3 Briefe, die nach meiner Entlassung in der Kyffhäuser Kaserne eingetroffen sind und deswegen nachgesendet wurden. Vielen Dank an all die Leute, die mir geschrieben haben und mich aufgemuntert und mir Mut zugesprochen haben!
Einer der Briefe war übrigens von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Darin geht es um ein gegen mich eingeleitetes Ermittlungsverfahren. Zu meinem großen Erstaunen handelt es sich aber um meine zweite Befehlsverweigerung. Also die, für die ich anschließend 18 Tage Arrest erhalten habe. Zu meiner "eigenmächtigen Abwesenheit" zum Zeitpunkt meiner Einberufung und meiner ersten Befehlsverweigerung hab ich bisher noch nichts gehört.
Sobald es was Neues gibt, werde ich natürlich hier berichten. Ansonsten gibt es demnächst den vorerst letzten Teil des Berichts über meine Totalverweigerung.

Demonstration gegen Überwachungsstaat

Wie ich vorhin zufällig erfahren habe, gibt es mal wieder eine Demonstration gegen die ausufernde Überwachung in Deutschland, diesmal in Berlin. Nachdem ich ja schon bei der Demo in Frankfurt dabei war, überlege ich mir gerade auch dort hin zu fahren, allerdings wird das wohl nicht so einfach.
Ich wollte aber hier auf jeden Fall darauf hingewiesen haben, ihr findet hier mehr Informationen zur Demonstration:
http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/125/116/lang,de/

Endlich wieder daheim!

So, nun kann ich mich endlich wieder persönlich melden. Seit heute früh 00:00 Uhr bin ich offiziell kein Soldat mehr. Nachdem gestern einem Disziplinararrest von 21 Tagen wegen Gehorsamsverweigerung von der 7. Kammer des Truppendiensgerichts Süd nicht zugestimmt wurde, blieb meinen Vorgesetzten nur noch der Antrag auf meine Entlassung aus der Bundeswehr. Dieser Antrag wurde bestätigt und mir wurde gestern Abend um etwa 20:30 Uhr meine offizielle Entlassung mitgeteilt. Nach der Klärung einiger Formalitäten wurde ich dann etwa um 21:30 vor das Kasernentor gebracht und war damit frei.

Überraschende Wendung im Fall Alexander Hense

Heute hat sich eine überraschende Wendung in Alexanders Fall ergeben. Ein weiterer Arrest für ihn wurde abgelehnt. Gerade wird die Entlassung beantragt. Das heißt, dass er, sobald die Mühlen der Bürokratie den Antrag bearbeitet haben, wahrscheinlich freikommt. Ich glaube so schnell wurde bisher noch kein Totalverweigerer wieder freigelassen.

Update: Er ist jetzt frei. Sie haben ihn heute Abend vor die Kaserne gesetzt. Er wird jetzt bei Herrn Geffe übernachten und morgen die Heimreise antreten.

2. Arrest: Tag 13-16 von 18

Alexander hat mir einen Brief zukommen lassen. Seine Zeilen stecken voller Tatendrang und Energie, woraus ich schließen kann, dass er die einsame Zeit zum intensiven Nachdenken nutzt. Er konnte schon von seiner Präsenz in mehreren kleineren und größeren Zeitungen berichten. Außerdem berichtet er von seinen beiden kirchlichen Unterstützern: Ein Pfarrer aus Bad Frankenhausen und ein Herr Geffe von der Föderation evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland.

2. Arrest: Tag 12 von 18

Alexander geht es gut. Er bekommt sehr viele Briefe, kommt aber mit dem Beantworten nicht ganz hinterher. Zumindest hat er neben dem Lesen so eine Tätigkeit, um sich die Zeit zu vertreiben. Er erhält inzwischen Beistand von verschiedenen Kirchenbeauftragten und einer Seelsorgerin.
Seine Eltern werden ihn am Wochenende ein weiteres Mal besuchen, auch wenn es nicht so einfach für sie war, die Erlaubnis dafür zu erlangen. Außerdem stellte sich heraus, dass Alexander derjenige ist, welcher Kontaktaufnahme beantragen muss. Das heißt, nur wenn er das Bedürfnis hat, mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen, wird es bearbeitet und unter Umständen gestattet. Andersherum ist die Sache anscheinend nicht gedacht.
Es sieht auch ganz so aus, als ob sich an den aktuellen Arrest direkt ein weiterer anschließen wird. Dies lässt sich aus verschiedenen Aussagen und Verhaltensmustern von Alexander und seinem Vorgesetzten erschließen. Das ist nun auch nicht weiter überraschend, sind wir doch noch ein ganzes Stück von den üblichen 3 mal 21 Tagen entfernt.
Zumindest schlägt die ganze Sache langsam Wellen und bestimmte Presse- und Medienstellen haben schon ihr Interesse an der Sache bekundet - Vielen Dank dafür!

2. Arrest: Tag 9-11 von 18

Alexanders Vater hat einen zweiseitigen Brief von ihm erhalten.
Aus diesem ist zu erfahren, dass sich alles genau so abspielt wie bisher vermutet. Er darf nicht mehr telefonieren, sein einziges Mittel mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen sind Briefe. Außerdem wird er nun beim Duschen immer von einem Soldaten begleitet; wohl damit er dort keinen "Blödsinn" anstellt.
Die Sitzung beim Truppendienstgericht verlief auch nicht besonders überraschend. Er erhielt zwar eine Vorladung, wie in einem früheren Posting erwähnt, jedoch wollte der Richter ihn nur dazu bringen, einen KDV-Antrag zu stellen. Dies hätte zwar die sofortige Entlassung aus dem Arrest nach sich gezogen, jedoch stünde Alexander dann wieder dort, wo er am Anfang war. Er müsste dann Zivildienst leisten. Folgerichtig lehnte er dieses "Angebot" dann ab, womit seine Beschwerde auch prompt abgewiesen war und er wieder in seinen Arrest übergeben werden konnte.

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